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14. Januar 2010  |   Keine Kommentare  |   Fehler entdeckt Artikel merken Artikel verschicken Artikel verschicken Artikel verschicken

Ende der Studierenden-Proteste an der Uni Bayreuth
Das Rondell lebte - und nun?

Nicht zu übersehen waren sie, die Zelte in der Mitte der Uni – doch wer campte im Rondell? Die meisten wissen es wohl inzwischen: Es handelte sich um den „ausgelagerten“ Protest der Besetzer des H26. Vorbeilaufende ließen Kommentare über erfrierende Obdachlose fallen und äußerten reinstes Unverständnis ob der freiwillig draußen schlafenden Studenten, aber dies konnte dem Bildungsstreik nichts anhaben. Die Probleme liegen anderswo. Doch von vorn:

(pk) Am 23. Dezember wurde gemeinsam mit Uni-Präsident Prof. Dr. Rüdiger Bormann der H26 geräumt und abgeschlossen, da Bormann andernfalls eine polizeiliche Räumung angedroht hatte. Eine Besetzung über die Ferien wollte die Hochschulleitung schon aus Kostengründen nicht dulden, da dann das ganze Gebäude nur für die Besetzer über die Ferien hätte beheizt und bewacht werden müssen. Doch die Besetzer zogen nur um: Im Rondell wurde unmittelbar nach Aufgabe des Hörsaals das Bildungsfeuer entzündet. Drei Streikende hielten über die Ferien die Stellung und das Feuer am Laufen: Manuel Hasch, Patrick Fricke und Phillip Thern. Sie geben zu, dass sie am Anfang „schlecht vorbereitet und ausgestattet“ waren, doch beides änderte sich schnell. Zum einen „wächst man an den täglichen Herausforderungen“, zum anderen war die Unterstützung der Bevölkerung groß. „Über Weihnachten kamen die Leute im Zehn-Minuten- Takt, und auch danach kam noch sehr viel Besuch.“ Und der Besuch kam selten mit leeren Händen - Glühwein, gekochtes Essen, Geld, Motorsägen (leihweise) und 500 Kilo Holz stellen nur einen Teil der Gaben dar. Und es gab manche, die jeden Tag vorbeischauten, einfach um zu sehen, ob es den drei Protestierenden gut ging. Oder Professoren, die zum Frühstücken kamen, Bürgermeister, die Geld vorbeibrachten, ... Die Streikenden kommen fast schon ins Schwärmen, wenn sie über ihre Ferien sprechen. Erst auf Nachfrage hört man von den Schwierigkeiten des Einschlafens bei Minusgraden und anderen Problemen. Letztlich überwiegt die Begeisterung dafür, dass der Bildungsstreik so nun in der Bevölkerung ankam und die Aktion überwiegend auf Zustimmung stieß. Die eine oder andere Oma konnte zwar kein Verständnis für den fehlenden Enkel an Heiligabend aufbringen, aber bei Rinderbraten unterm Weihnachtsbaum des Market-Teams ging‘s denen gar nicht so schlecht.

Silvester wurde ebenfalls „ganz normal“ mit etwa zehn Freunden, gutem Essen, Musik und Feuerwerk gefeiert – nur eben im Rondell. Im neuen Jahr kamen dann auch wieder mehr Studenten vorbei, nur keine, die sich den Campern anschließen wollten, so dass diese nach zwei Wochen ernüchtert feststellen mussten, dass sie keine Ablösung erwarten konnten. Das Bildungsfeuer wurde noch ein paar Tage am Leben erhalten, aber für eine Fortsetzung der Hörsaalbesetzung fehlen die „Ressourcen“. Und so wurden am Donnerstag, den 7. Januar von Seiten der Hochschulleitung die letzten Plakate und Arbeitsmaterialien der Bildungsinitiative aus dem H26 entfernt, wo sie wie vereinbart bis nach den Ferien geblieben waren. Die Besetzung ist damit endgültig beendet. Der H26 wirkt nun - nach fünf Wochen Besetzung - fast schon leer mit seinen kahlen Wänden und ohne den „Besetzt“-Schriftzug auf der Tafel. Zwar betonen die Besetzer, dass der Bildungsstreik „weiter lebt“ und ihre Ziele noch nicht alle erreicht seien, doch es fehlt der Initiative schlicht an aktiven Unterstützern. Nach fast zwei Monaten Streik ruft das Studium, Prüfungen stehen an. Trotzdem sind die drei Camper nicht enttäuscht, sondern sehen die gesamte Aktion als Erfolg: Sie haben ihre „Mahnwache“ für die Bildung über die Feiertage erfolgreich und mit überraschend großer Unterstützung abgehalten. Außerdem will die Bildungsinitiative H26 weiter konstruktiv an der Umsetzung ihrer Forderungen arbeiten und wird hierfür vermutlich auf ein Angebot von Uni Präsident Bormann zurückkommen. Er hatte vor den Ferien einen Seminarraum für wöchentliche Arbeitstreffen zugesichert. Nicht zuletzt sollen aber auch Erfolge gefeiert werden und zwar nächste Woche (Donnerstag, den 21.01.), natürlich nirgendwo anders als im H26.

Dieser Beitrag stammt von Paula Kimmich aus der 414. Ausgabe des Tip vom 14. Januar 2010 und wurde bereits 493 mal aufgerufen.

 
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