(
kh) Ein typischer Ferientag beginnt um 7 Uhr, wenn die Mädels bereits seit einer Stunde vor dem Schminkspiegel stehen. Schnell noch in ein schickes blaues Hemd geschlüpft, Kragen hoch – so viel Zeit muss sein – und schnell los, bevor es 8 Uhr läutet und der erste Höhepunkt des Tages steigt: die Schlacht am Bücherregal. Türkischer Bazar auf Deutsch.
Nach dem allmorgendlichen Tratschkaffee mit anderen Urlaubern ist man dann von 9.30 bis 11 Uhr völlig damit ausgelastet, die hart erkämpften Bücher zu kleinen Türmchen, Burgen oder Mauern zu arrangieren und dabei immer schön hochkonzentriert und arbeitsgestresst zu schauen. Erschöpft, aber glücklich, findet man sich zu Grüppchen zusammen und geht essen.
Spätestens 14 Uhr wieder vor Ort folgt nun der gesellschaftliche Höhepunkt: Großes Flanieren, Promenieren und Repräsentieren zwischen den Regalen. Es gibt nur noch zwei Sorten Mensch, Juristen mit Knackarsch und solche auf der Suche nach dem Juristenknackarsch. Dabei sind gedankenlose, starre Blicke ins Nirgendwo altbekannte Tricks für die prüfende Jury – äh Juristen. Benebelt vom sanften Säuseln der Kopierer schließt man sich in die Arme und den Bund fürs Leben.
Heiter und beschwingt lässt man den Nachmittag bei einem Kaffee ausklingen oder zieht sich gleich mit Freunden in die Cafete zurück. Mittlerweile ist es 18 Uhr. Unruhig und nicht ohne leises Bedauern trennt man sich von seiner Bücherfestung, wobei noch schnell die begehrtesten Bücher versteckt werden. Doch die Vorfreude auf den nächsten Tag in der Bib zaubert ein verzücktes Lächeln mitten in jedes Gesicht und verheißungsvoll raunt man sich zu: „Bis morgen!“