Phil Lords und Chris Millers Meisterwerk aus dem Jahr 2014 darf zweifelsohne als einer der bisherigen stilistischen Höhepunkte der postmodernen Ära bezeichnet werden.

Die Fabel ist dabei schnell abgehandelt: Die Bauarbeiter-Legofigur Emmet wird aus seinem eintönigen Leben gerissen, trifft das Mädchen, muss allerlei Abenteuer gegen den Bösewicht Lord Business bestehen und tritt schließlich zum großen Kampf der Kulturen kreativer Bau gegen Bau nach Anleitung an, den parallel auch der ihn steuernde kleine Junge Finn gegen seinen Vater führt. Die Einführung Finns als Schöpfer und Lenker Emmets, der jedoch nicht alleine und vollständig über Emmets Verhalten bestimmt, lässt sich als Verlust des autonomen Subjekts als rational handelnde Einheit konstatieren. Erwartungsgemäß kommt es zur für die Postmoderne typischen Absage an das Primat der Vernunft und zur Hinwendung zu Aspekten der menschlichen Affektivität und Emotionalität. Gewiss unterhaltsam ist ebenso die Dekonstruktion bekannter Helden wie Batman oder Superman, die popkulturell referenziert, jedoch neu gemischt werden – ob Batmans Faible für die Farbe Schwarz oder Supermans Ablehnung gegenüber Green Lantern, die bekannten Figuren werden nicht nur herbeizitiert, ihre Charaktere werden erweitert und in neuen Kontext gesetzt.

Bemerkenswert ist zweierlei: Der gesamte Film wendet sich gegen die Massenkultur der Moderne und zeigt schöpferischen Individualismus an mehreren Beispielen als bessere Alternative auf. Generische, repetitive Musik wird ebenso abgelehnt wie wiederkehrende humoristische Leitmotive in Fernsehserien – jeder solle sich selbst finden statt sich in der Masse treiben zu lassen. Doch der Film hatte einen gegenteiligen Effekt: Das generische, repetitive Titellied „Everything is awesome“ wurde zum Hit, über dessen Nichtberücksichtigung für die Academy Awards gab es aufrichtige Entrüstung.

Auch gibt sich der Film gezielt antikommerziell, was schon früh am Namen des Bösewichts ebenso deutlich wird wie an der negativen Konnotierung überteuerten Kaffees. Dies in einem Film, der als Werbefilm konzipiert ist und in dem nahezu alles Dargestellte käuflich erworben werden kann – es werden sogar die Produktnummern eingeblendet. Die Veröffentlichung führte nicht nur zu massiv ansteigenden Verkaufszahlen der Lego-Produkte, sondern auch zu ebenso drastisch gestiegenen Besucherzahlen in den Legoland-Freizeitparks. Parks, in denen der gleichförmige Bau nach Anleitung jeden Winkel dominiert.

Das Kunststück, das „The Lego Movie“ vollzieht, ist also, den für die Moderne stilbildenden Dualismus auf die Metaebene zu heben. Dargestellt wird dadurch die Sektoralisierung des gesellschaftlichen Lebens in Gruppen widersprechender Denk- und Verhaltensweisen bei radikaler Toleranz für Andersdenkende: Da der Film Wasser predigt, Wein trinkt und dennoch aufgrund der Fähigkeit zur Selbstironie für keines der beiden universellen Geltungsanspruch postuliert, wird der Rezipient angeregt, seine Freiheit zu nutzen und sich selbst eine Meinung zu bilden.

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