„Die beste Fernsehserie über Politik aller Zeiten“ – Politikwissenschaftler Stephen B. Dyson in seiner Rezension, die am 2. Februar 2014 in der Washington Post veröffentlicht wurde.

Borgen ist eine bereits abgeschlossene dänische Fernsehserie, in der die Geschichte der fiktiven Politikerin Birgitte Nyborg erzählt wird. Die engagierte und aufrichtige Nyborg wird zu Beginn der Serie überraschend zur ersten Premierministerin Dänemarks gewählt. Im weiteren Verlauf sieht sie sich mit zahlreichen Problemen auf privater und beruflicher Ebene konfrontiert, die mit ihrer Stellung und Macht einhergehen. So muss sie sich mehreren Gerüchten und Intrigen entschlossen zur Wehr setzten. Auch fragwürdige Presseberichte, die sich ihr Privatleben vorknöpfen, tragen dazu bei, dass sie am Anfang mehrmals kurz vor dem Rücktritt steht, um nicht zuletzt ihre Familie und ihre Privatsphäre zu schützen. Gleichzeitig spürt man aber auch, wie sie nach jedem Problem und jeder Entscheidung kühler wird und dabei nach und nach ihre eigenen Ideale aufgibt.

Die Serie des Drehbuchautors Tobias Lindholm zeigt auf eine sehr fesselnde Art, was in einem Menschen und seinem Umfeld vorgeht und vor allem wie sich dieses Verhältnis entwickelt, wenn dieser ständig unter dem Druck steht, richtungsweisende Entscheidungen treffen zu müssen und zugleich kritisch von der Öffentlichkeit beäugt wird.

Parallel dazu wird auch auf die Macht der Medien und auf die sich daraus entwickelten Konflikte intensiv eingegangen. Die Zeitungs- und Fernsehredaktionen stehen hierbei immer unter dem Druck einer guten Quote und dem eigenen Anspruch der Redakteure, Qualitätsjournalismus zu leisten.

Was diesen Politkrimi, welcher zwischen 2010 und 2013 erstmalig ausgestrahlt wurde, als solchen nicht zuletzt so spannend und herausragend macht, ist das Zusammenspiel der Politik und der sogenannten vierten Macht. In den Vordergrund geraten hier zum einen die junge und talentierte Journalistin Katrine und der Pressesprecher der Premierministerin Kasper. Gerade in der Beziehung dieser beiden Charaktere zeigt sich das zwiespältige Verhältnis zwischen Politik und Medien, die einerseits aufeinander angewiesen sind, sich gleichzeitig aber kein Vertrauen schenken und versuchen den Anderen zu benutzen.

Kritisieren kann man an der Serie eigentlich nur, dass sie einen sehr aufmerksamen Beobachter verlangt. Geschehnisse, die für die weitere Entwicklung entscheidend sind, werden oft nur nebenbei erzählt. Des Weiteren muss der Zuschauer sich bei der letzten der insgesamt drei Staffeln auf eine komplett neue Serie einlassen. Es werden bisherige Hauptpersonen zu Nebenfiguren degradiert und auch die Geschichte macht einen riesigen Sprung, sodass man den Eindruck gewinnt eine Staffel verpasst zu haben.

Zusammenfassend lässt sich aber sagen, dass Borgen – so wird das Schloss Christiansborg übrigens umgangssprachlich genannt – eine wirklich ausgezeichnete Serie ist. Obwohl sie nicht mehr die allerneueste ist, so ist sie immer noch absolut zeitgemäß und es lässt sich stets das aktuelle politische Geschehen wiederfinden. Für denjenigen, der auf Mord und Totschlag, nackte Menschen und einer völlig irren Suche nach einer Prostituierten verzichten kann, könnte Borgen daher die beste Fernsehserie über Politik aller Zeiten werden.

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