Der Berliner Andreas Marquardt hat mit Hilfe von Jürgen Lemke eine Biographie über sein Leben geschrieben: „Härte“. Diese wird nun verfilmt. Er schildert darin Gewalt- und Vergewaltigungserfahrungen in der Kindheit, sein Leben als Zuhälter, seinen Gefängnisaufenthalt, Ausstieg durch Hilfe von außen und seinen Einsatz für missbrauchte Kinder und Jugendliche durch die Initiative „Helfen macht stark“. Der Film „Härte“ entsteht in Kooperation mit RBB, ARTE und WDR und wird Februar 2015 in den Kinos starten.

(lm) 2005 lief in deutschen Nischenkinos der deutsche 88min-Spielfilm „Allein“ von 2004. Eine junge Frau, Maria (Lavinia Wilson), litt unter Borderline und schaffte es nicht, eine normale Beziehung zu einem Mann namens Jan aufzubauen. Grund waren Vergewaltigungserlebnisse während ihrer Kindheit. Gleichzeitig wurde sie von einer inneren Sehnsucht nach Nähe zu One-Night-Stands, Alkoholexzessen usw. getrieben, ihr schlimmster Feind war Alleinsein.

Härte Cover

(Quelle: Ullstein Verlag)

Gewalt und Vergewaltigung in der Kindheit sind schlimm. Doch nicht nur Frauen, auch Männer sind betroffen. Der Berliner Andreas Marquardt, 1956 in Berlin-Neukölln geboren, hatte einen gewalttätigen Vater und eine Mutter, die jahrelang mit ihm schlief. Seine Großeltern wussten zwar nichts davon, fingen ihn aber immer wieder auf. Zudem entdeckte Marquardt Kampfsport als Arena des Frustausgleichs, der ihm persönliche Kraft gab. 15mal wurde er Europameister in Karate.

So wurde das Milieu auf ihn aufmerksam. Er lernte Frauen zu verführen, er lernte Geld einzutreiben, er galt als brutal und hart, war in Berlin, Hamburg, Frankfurt und Essen aktiv. 300 Frauen ließ er im Laufe der Zeit für sich arbeiten, manchmal verdiente er an die 100.000 Euro im Monat. Bis ihn eine Frau anzeigte und die Polizei, die ihn seit längerem im Visier hatte, zuschlug. Es folgten achteinhalb Jahre Haft wegen Zuhälterei, Menschhandel und Waffenbesitz. Zuerst tobte er in der Zelle. Doch dann konnte eine Anwältin und Psychologe die Mauer 1998 brechen: Er musste 60min lang weinen.

Marquardt suchte außerhalb der Klinik nach psychologischer Hilfe und traf 2000 den Psychologen Jürgen Lemke, geb. 1943. Lemke, Diplom-Sozialpädagoge und Psychotherapeut, arbeitet seit 25 Jahren bei der Berliner Beratungsstelle „Kind im Zentrum“ (KiZ).

Erstmals konnte Marquardt von seinen Gewalt- und Vergewaltigungserfahrungen erzählen, von seinen Verletzungen, seinem Hass auf Frauen, seinen Ängsten.

Jürgen Lemke schrieb im Rahmen einer Therapie, die auch heute noch läuft, mit Marquardts Hilfe ein Buch über dessen Leben: In „Härte“ schildert Marquardt seine ganzen Erfahrungen. In etlichen Lesungen und Diskussionen stellt sich Marquardt mit Lemke den Leserfragen, insbesondere in Haftanstalten in ganz Deutschland. Das Buch wird jetzt vom Berliner Regisseur Rosa von Praunheim verfilmt.

Marquardt ist heute zusammen mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Marion in dem ältesten Bodybuilding- und Fitness-Studio von Berlin, dem Sportstudio Gym 80 in Neukölln tätig. Dort hilft er Kindern und Jugendlichen mit (vielfach massivsten) Gewalt- und Missbrauchserfahrungen, aus dem Teufelskreis zu entkommen und mit Sport Selbstbewusstsein aufzubauen und Lebenskraft zu schöpfen.

Wer in youtube „Weltrekord Andreas Marquardt“ eingibt, wird eine Kampfsport-Übung mit einem Weltrekord von Marquardt drei Minuten lang sehen können. Wer in youtube „Ex-Zuhälter Andreas Marquardt: True Crime Stories“ eingibt, findet ein 30min-Interview, „Zuhälter ohne Skrupel“ begleitet Marquardt durch Puffs, durch die Straßen Berlins, in sein ehemaliges Elternhaus, ins Fitnessstudio und zu Marion.

Alle Erlöse aus den Buchlesungen und Diskussionen, aus dem Buchverkauf und den Filmbesuchszahlen sowie aus den etlichen Charityveranstaltungen gehen als Beitrag der Initiative „Helfen macht stark“ zu, um Kindern und Jugendlichen mit massiven Gewalterfahrungen zu helfen. Marquardt will seine Erfahrungen und seine Stärken nutzen, um zu helfen und Leid zu stoppen, er ist stets für Nachfragen offen (www.andreasmarquardt.de).

Buch- und Film- und Themainteressierte klicken bitte diesen Link an, auf dieser Homepage können Leser- und Filmfragen und -kommentare an A. Marquardt und J. Lemke direkt gestellt und von diesen beantwortet werden, ähnlich wie bei den Lesungen und nach den Filmvorführungen:

http://xtremenico.jimdo.com/

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