Während des letzten Semesters war ich nicht in Bayreuth, konnte meine bis dato bewohnte Bleibe aber auch nicht zwischenvermieten. Also zog ich aus, um mich nach meiner Rückkehr wieder nach einem Zimmer in Bayreuth umzuschauen. Das war alles in allem kein Problem – und darum geht es hier eigentlich auch gar nicht. Ein kleines Erlebnis bei meiner Wohnungssuche fand ich aber doch bemerkenswert.

Bei meiner Internetrecherche stieß ich bei WG-Gesucht auf eine Anzeige für ein WG-Zimmer mit traumhaften Eckdaten. Ich bin mir nicht mehr hundertprozentig sicher, aber es ging um mindestens 20 Quadratmeter für unter 200 Euro, alles inklusive. Die Lage war schön zentral und es gab noch andere Schmankerl, wie ein hauseigenes Studierzimmer, kann auch eine Bibliothek gewesen sein. Die komplette WG war als „privates Studentenwohnheim“ beschrieben, und an dieser Stelle wird mancher Leser wohl bereits wissen, auf was die Sache hinauslief.

Alles schien wunderbar, nur die Adresse kam mir von einer einschlägig bekannten Bayreuther Studentenfeier verdächtig bekannt vor. Eine kurze Recherche ergab eine frappierende Deckungsgleichheit der Adresse dieser WG, oder dieses „privaten Studentenwohnheims“, mit einer Bayreuther Studentenverbindung. Zugegeben, das ist bekannte Praxis. Das Ziel ist die Mitgliedersuche der Verbindungen. Studenten auf Wohnungssuche sollen durch die unschlagbaren Konditionen der Studentenzimmer bei den Verbindungen erst mal zur Miete ins eigene Haus geholt werden. Vom gemeinsamen Wohnen bis zum Beitritt zur Verbindung ist es dann, so das Kalkül, nicht mehr weit. Dieses Vorgehen ist nichts krass Verwerfliches, sondern schlicht geschickte Nachwuchsarbeit. Sie ist auf der anderen Seite aber eines auch nicht: aufrichtig.

Ich habe bei meiner weiteren Internetrecherche noch die eine oder andere Verbindung gefunden, die Zimmer anbot. Immer war das Angebot mit dem Verweis versehen, dass es sich hier um eine Studentenverbindung handele. Wenn Verbindungen aber neue Mitglieder durch günstige Zimmer ködern und sich dabei komplett selbst verleugnen, dann ist das etwas grotesk. Die Vokabel des „Wertes“ wird, soweit ich mich erinnere, gerne mal von den Buntbehüteten im Munde geführt, Werteverfall wird angeprangert und Wertebewahrung propagiert. Dann sollte man aber auch aufrichtig dazu stehen können, dass man eine Verbindung ist. Ansonsten liegt irgendetwas im Argen. Ich möchte jedoch der Verbindung, auf deren Anzeige ich traf, auch nicht von vornherein unterstellen, dass sie etwas mit Werten am Hut gehabt hätte.

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