Jetzt mal Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon einmal mit dem Gedanken gespielt, die lästige Hausarbeit oder gar Bachelorarbeit abzugeben und von jemand anderem schreiben zu lassen?
Ein Blick ins Internet, ein paar Zeichen in Google, schon steht man vor einer beachtlichen Auswahl an „Dienstleistern“, die gegen ein nicht weniger beachtliches Honorar bereit sind, all diese wissenschaftlichen Arbeiten zu übernehmen.

495_495_doktorarbeit_ast_k.jpgEs mag ja Kreise geben, in denen Geld keine Rolle spielt und ein Doktortitel nichts ist, was man sich erarbeiten müsste. Dennoch sollte nach den wohlbekannten Plagiatsaffären der letzten Jahre auch klar sein, dass man mit dem Engagement eines Ghostwriters nicht zwangsläufig ungeschoren davon kommt. Doch Ghostwriting ist nicht gleich Plagiat. Ein guter Ghostwriter kann durchaus in der Lage sein, eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben ohne auf „Copy and Paste“ angewiesen zu sein. Strafbar macht sich am Ende jedenfalls der Kunde, also der faule Student, der den Ghostwriter engagiert. Denn der unterschreibt eine eidesstattliche Erklärung, der zufolge er der alleinige Verfasser seiner Arbeit sei.  Die meisten Ghostwriter-Services im Internet erklären auf ihren Websites deutlich, dass sie ausschließlich Hilfestellungen leisten und ihre Kunden versichern müssen, dass sie die Arbeiten nicht unter eigenem Namen abgegeben.
Dass sie es doch tun und dies den Ghostwritern in der Regel bewusst ist, auch wenn im Vertrag etwas anderes steht, macht die rechtliche Grauzone deutlich, in der wir uns hier bewegen.
Rein rechtlich gesehen macht sich auch der Ghostwriter strafbar, denn er leistet Beihilfe zum Betrug. Aber wenn der Kunde ihm versichert hat, dass er niemanden täuschen wollte, was soll dann schon großartig passieren?
Kurzum, erstens ist es schwer, bei einer wirklich guten Arbeit nachzuweisen, dass der Student sie nicht selbst geschrieben hat, zweitens setzt es was, wenn es doch herauskommt.
Je nach Hochschule droht dem Täuscher neben Aberkennung des Titels oder Grades und einer Exmatrikulation auch eine Geldbuße bis zu 50.000 Euro.
Der deutsche Hochschulverband (DHV) forderte erst im vergangenen Sommer die Einführung eines Straftatbestands „Wissenschaftsbetrug“, der nicht nur Geldstrafe, sondern auch bis zu zwei Jahre Freiheitsentzug nach sich zöge.
Das alles schreckt viele verzweifelte, überarbeitete, ausgebrannte Studenten aber nicht ab, sich ihre Seminar-, Haus-, Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten schreiben zu lassen.
In seiner Pressemitteilung vom 6. August 2012 nannte der DHV auch eine dpa-Meldung, nach der angeblich fast jede dritte Doktorarbeit in den Bereichen Jura und Wirtschaftswissenschaften aus der Feder von Ghostwritern stammen soll. Ausgerechnet Jura! Aber es kann in allen Fachgebieten getrickst werden. Die Ghostwriter werden dabei ganz euphemistisch auch „Promotionsberater“ genannt. Und unter denen herrscht inzwischen regelrechter Wettbewerb. Wem es zu blöd ist, tausend Anfragen zu verschicken, um den passenden Ghostwriter zu finden, kann den Spieß auch umdrehen und sich und seine Arbeit finden lassen. Der Kunde hat sogar die Möglichkeit  unter mehreren Ghostwritern, die um den Auftrag buhlen, auszuwählen, je nach Qualifikation, Zeitaufwand und Preis.

Jetzt hast du bis hierher gelesen und fragst dich, wann endlich die Stelle kommt, an der du erfährst, ob der Inhalt deines Sparschweins reicht oder ob du Omas Erbe investieren musst.
Solange dein Vater keinen Geldspeicher á la Dagobert Duck zu Hause hat, dürfte es vermutlich schwer werden, die Faulheit zu finanzieren. Ghostwriter arbeiten nicht umsonst und das zu Recht. Arbeit bleibt Arbeit, ob der kleine Doktorand sie nun verfasst oder sein Ghostwriter. Und der verlangt ab 20.000 Euro aufwärts für eine Doktorarbeit. Dabei scheint eine einfache Regel zu gelten: Je wasserdichter und korrekter die Arbeit, desto teurer. Die selbstständigen Ghostwriter halten die Preisangaben auf ihren Webseiten vage, aber sucht man ein bisschen im world wide web stößt man doch auf Antworten. Offenbar variieren die Kosten stark. Ob 50 Euro/Seite oder 200 Euro/Hausarbeit  hängt allein vom Schreiber und dem mit dem Auftrag verbundenen Aufwand ab.
Aber wir alle wissen ja nur zu gut, dass es Leute gibt, denen kein Risiko zu groß ist, und wem nicht nur das Schreiben sondern auch das Lernen zu lästig ist, der kann sich in anonymen (d.h. nicht durch Studierendenausweise kontrollierten) Klausuren durch jemanden ersetzen lassen, der den Stoff drauf hat.

Doch bevor das Rundum-Sorglos-Paket zu verlockend wird, noch eine Warnung: An dem vielfach im Internet verbreiteten Witz (!) die Universität Bayreuth habe eine Doktorklappe eingerichtet, an der man ungewollt oder unlauter erworbene Doktortitel anonym wieder abgeben könne, ist leider immer noch nichts dran.
Am Ende ist es eben wie mit allen risikoreichen Dummheiten im Leben:  Kann man machen, muss man aber nicht. Und wenn man es doch tut, muss man mit den möglichen Konsequenzen leben.

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