Es sollte als Zugeständnis an die Reife der Studenten verstanden werden – das offene Alkoholangebot auf dem Campus.

Wer sich am Bier in Mensa und Automaten stört, der braucht ja nicht zuzugreifen. Und das Angebot wird in der Regel auch nicht als Einladung zu einem Vollrausch angesehen.

Pro

(ast)  Hier geht es doch vielmehr um ein Bierchen im Sonnenschein, nach den Vorlesungen – oder von mir aus auch dazwischen. Es muss doch jeder selber wissen, wann und wie viel Alkohol man konsumiert. Ein Verbot von Alkohol auf dem Campus-Gelände wäre eine harte Anspielung auf eine etwaige Unmündigkeit der Studenten und definitiv nicht angemessen gegenüber deren Volljährigkeit. Sämtliche Anforderungen eines Studiums bedingen ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Es kann also weder im Interesse noch eine Aufgabe der Uni sein, dem Alkoholkonsum einen Riegel vorzuschieben. Ein Arbeiter darf schließlich auch selbst entscheiden, ob er sich in der Mittagspause eine Halbe gönnt – ganz egal ob es von Seiten des Chefs erlaubt ist oder nicht. Und das sollte doch an der Uni nicht anders gehandhabt werden. Im Allgemeinen sind die Studenten ja auch alt genug zu wissen, dass es irgendwie relativ idiotisch ist, sich an der Uni zu betrinken und dann sternhagelvoll eine Vorlesung oder ein Seminar zu besuchen. Aber herrje, wenn einer meint es doch tun zu müssen, dann wird er auch mit den Konsequenzen leben müssen. Wo die Toleranzgrenze liegt, ist ja dann nicht zuletzt auch die Entscheidung jenes Professors, genau wie die Frage wen er aus der Vorlesung rausschmeißt und wen nicht. Wir sind allesamt vernunftbegabte Wesen und alt genug um einen angemessenen Umgang mit Alkohol zu pflegen – zumindest vor Einbruch der Dunkelheit.

Contra

(no) Als ich für mein Masterstudium nach Bayreuth kam, fiel mir eine Tatsache ins Auge: Die Mensa bietet eine größere Auswahl an Biersorten als mancher Supermarkt. Was mich noch mehr erstaunte:  Das Alkoholangebot trifft auch auf eine umfangreiche Nachfrage. In den Sommermonaten bevölkern die Studenten ohnehin die Außenanlagen des Campus und genehmigen sich das eine oder andere Bier. Auch im Winter lässt sich der Alkoholkonsum zu jeder Tages- und Nachtzeit in der Mensa beobachten. Ein Weizen am Morgen zum Weißwurstfrühstück, mittags ein Helles zum Essen und abends nach getaner (Studien-)arbeit gönnt man sich ja sowieso sehr gerne ein Bierchen.

Was ist daran problematisch, werdet ihr euch vielleicht fragen. Der Alkoholkonsum ist schließlich ein Jahrtausend altes kulturelles Phänomen. Gerade in Bayern ist der Bierkonsum kaum aus der Alltagskultur wegzudenken. Als Genussmittel steht er für ein Stück Lebensqualität, fördert die Geselligkeit und ermöglicht dem Menschen zumindest für eine gewisse Zeit eine Abkehr von seinem nüchternen Ich. Das ist zumindest das Bild, welches uns die Alkoholproduzenten in ihrer Werbung verkaufen wollen. Die Realität sieht leider etwas anders aus. Zumindest für die Menschen, die ein Suchtproblem besitzen oder aufgrund ihres Suchtpotenzials auf dem Weg dorthin sind. Die Bundesregierung geht davon aus, dass 9,5 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich nicht mehr zu verantwortendem Maße zu sich nehmen. 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Mindestens 73.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an den Folgen. Erschreckende Zahlen. Jedem von uns dürften hierzu traurige Beispiele aus dem eigenen, persönlichen Umfeld bekannt sein. Zumindest demjenigen, der ein entsprechendes Problembewusstsein mitbringt und seine Augen nicht vor den einzelnen menschlichen Schicksalen verschließt.

Versteht mich nicht falsch: Dieser Text soll keine Abstinenz-Predigt werden. Im Grunde ist jeder für sich selbst verantwortlich. Jeder sollte nach seinen eigenen Vorstellungen leben. Auch wenn das im Extremfall bedeutet, sich zu Tode zu saufen. Nur sollte der Grundstein hierzu nicht an der Uni gelegt werden. In den allermeisten Unternehmen ist Alkoholkonsum während der Arbeit mittlerweile verpönt und zumeist auch verboten. Warum sollte das an einer Bildungsinstitution anders sein, wo viele tausende Menschen studieren und arbeiten?

2089 Besucher insgesamt 3 Aufrufe heute